Stimmen der Schüler

Oskar Schlemmer

In: Das Kunstblatt XII, Jg.1928, S.154f.

Adolf Hölzel zum Gruß!

Adolf Hölzel hat sein 75. Lebensjahr erreicht, und noch ringt er unermüdlich um das Ziel seines Künstlerlebens: die Erfassung der primären Gestaltungsmittel, vornehmlich der Farbe. Gleich W. Kandinsky, mit dem ihn viele Parallelen verbinden, hat er sich leidenschaftlich um Theorie und Praxis der elementaren künstlerischen Ausdrucksmittel bemüht. Beide kamen zur Formulierung der „Kunst eine Wissenschaft“, und beide sind hervorragende Pädagogen. […]
Ein führender Kopf, mit grauen Haaren jung wie kaum einer; am Anfang neuer künstlerischer Erkenntnisse; alles, was in der internationalen Kunstwelt sich ereignete, wie ein Seismograph verzeichnend, war er ein ausgezeichneter Anreger für junge Talente. Deren waren viele in Stuttgart […] Heute wie damals erscheint mir das Schätzenswerte und Bedeutsame an der Pädagogik Adolf Hölzels, daß er bei seinem ausgeprägten, persönlichen Stil, bei aller lehrhaften Theorie die unbedingte Achtung vor der Persönlichkeit hatte und diese mit schöner Menschlichkeit förderte, wie irgend er konnte, auch wenn sie seiner Lehre zuwiderlief. […]
Wir grüßen Dich, Adolf Hölzel

Willi Baumeister

Brief an Adolf Hölzel vom 28.01.1933

Lieber Meister Hölzel,

Ich danke Ihnen recht herzlich für Ihre guten Worte anläßlich dem [sic] Heimgang unseres Otto Meyer.
Es liegt nahe, daß ich an meine Akademie-Zeit denke und damit an Sie.
Sie haben als Mensch, als Künstler und Lehrer eine vorbildlich schöne Atmosphäre in St[uttgart] geschaffen.
Wir hatten durch Sie eine Schule der Kunst-Gesinnung, die den berühmtesten Pariser Schulen mindestens gleichwertig war. Die Köpfe rauchten voll der Taten, die noch ungetan waren. Es gab eine ganz seltene Ballung von Menschen und Ideen.
Sie haben die Probleme aufgeworfen, die allein wichtigen Hinweise gegeben und uns damit vor einen großen Horizont gestellt, und uns aufgelockert und uns hingeführt zum rein Künstlerischen. Ich erinnere mich an Einzelheiten, die die alleinigen Wegweiser für mich wurden, – und an eine Gesamthaltung, die unentwegt befahl, daß die Kunst auf dem Plateau des Ideellen eine Forschung sei.
Die Resultate dieser Forschung, die Werke bilden die große Augenschule für die Menschheit, der neue Erkenntnisse auf diesem Weg über das Optische geschenkt werden.
In aller Dankbarkeit denke ich an Sie und drücke Ihnen in Liebe und Verehrung die Hand.
Ihr Willi Baumeister

Johannes Itten

(aus Adolf Hölzel und sein Kreis. In: Der Pelikan 65/ 1963, Hölzel-Sonderheft S. 34-40)

Als Lehrer war Hölzel selbstlos bereit alles zu geben, was er wußte und konnte. In seinen Vorträgen und Demonstrationen suchte er immer das Allgemeingültige darzulegen, und er überließ es den Schülern, daraus für sich auszuwählen, was für sie bekömmlich war. Nie korrigierte er in eine Schülerarbeit hinein, weil sie dadurch fremd und falsch geworden wäre. Durch dieses Verhalten bewies Hölzel seine Achtung vor der Individualität der einzelnen Schüler. Wir Schüler – in unserer Sturm- und Drangperiode – waren ihm dankbar dafür. […]
Adolf Hölzel war eine einmalige Persönlichkeit als Maler und Lehrer. Für die Vielseitigkeit dessen, was er gegeben und gelehrt hat, ist die Verschiedenartigkeit und die Leistung seiner Schüler ein lebendiger Beweis.

Alfred Heinrich Pellegrini

Nachruf auf Adolf Hölzel (aus Basler Nachrichten 20/21. Oktober 1934)

Eine chinesische Legende erzählt: Ein Maler, alt geworden, fühlte sein Ende nahen. Er lud alle seine Freunde ein und sie fanden ihn vor einem Bild stehend, freundlich, milde um sich blickend. Und da sie alle versammelt waren, trat er leise in den Weg des Bildes. Sie sahen ihn wandeln durch die weiten Fluren, stetig ferner und kleiner werdend, einem einsamen Berge zu, in dem das Wegesende sich verlor.
So im Werke aufgehend, dürfen wir uns das Ende des geliebten und hochverehrten Lehrers Adolf Hölzel denken. Bis zuletzt in sein hohes Alter hinein, er wurde 81, der Kunst opfernd, dienend. Dienend, weil er das, was er durch ihre Gnade empfing, getreu seinem Amte, den Freunden und Schülern weiter gab. Auf eigenen Erfolg verzichtend (der in seiner Dachauer Zeit groß war) schien es ihm wichtiger, als starker männlicher Apostel die Wahrheiten erkennend, ein langes Leben lang überprüft, jungen Menschen weiterzugeben, damit sie, auf gesundem Grund stehend, ihren Baum einpflanzen konnten, der in einen eigenen Himmel hineinwachsen sollte. […]

(Zusammenstellung Ulrich Röthke)

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